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Geld & Energie
29.11.2020

Aktienbörsen in freundlicher Adventsstimmung

Christopher Chandiramani: «Dank guter Vorlagen aus den USA konnte sich auch die Schweizer Börse per Saldo halten bei verschiedenen Sektor-Rotationen.»
Die Advents-/Weihnachtsmärkte sehen etwas anders aus als sonst, aber die Stimmung wirkt friedlich. Aus den USA kamen mehrheitlich gute Nachrichten, etwa Versöhnungszeichen Trumps und Erfolge bei Corona.

Wie in den Vorwochen wurden Erfolge gemeldet, und ein neuer Impfstoff wurde im Kampf gegen die vieldiskutierte Krankheit Sars Covid-19 vorgestellt. Dieses neue Produkt wurde von AstraZeneca, in Zusammenarbeit mit der Oxford Universität, entwickelt und soll eine Wirksamkeit von 90 Prozent haben. Der Bund hat bereits für über fünf Mio. CHF entsprechende Dosen eingekauft.

Noch-US-Präsident Trump hat nach langem Zögern die Bereitschaft erklärt, das Weisse Haus wie vorgesehen am 20. Januar 2021 dem neu gewählten Kollegen Biden zu übergeben. Überraschend wurde die 74-jährige Ökonomin Janet Yellen und ehemalige Chefin der amerikanischen Notenbank FED im neuen Regierungsteam als Finanzministerin vorgestellt.

Der Handel von US-Aktien war wegen des Feiertags «Thanksgiving-Day» verkürzt, eine Art Erntedankfest, welches jeweils am vierten Donnerstag im November stattfindet.

Dank guter Vorlagen aus den USA – der Dow-Jones-Index zeitweise über 30'000 Punkten – konnte auch sich die Schweizer Börse per Saldo halten bei verschiedenen Sektor-Rotationen. Der SMI pendelte um die Marke von 10'500 herum.

Unternehmensmeldungen

Wertberichtigung: Die Credit Suisse muss eine Beteiligung um 450 Mio. Dollar abschreiben. Bei der Investmentfirma York Capital Management, an der die Grossbank beteiligt ist, gab es kostspielige strategische Neuausrichtungen.

Die UBS konnte trotz verspätetem Dividendenabgang (USD 0.365 pro Aktie) zulegen.

Der eher weniger bekannte Aargauer Pharmazulieferer Dottikon ES steigerte im Halbjahr (Abschluss per 31. März) Umsatz und Gewinn massiv. Der Umsatz stieg überraschend um 18 Prozent auf 91.8 Mio. CHF und der Reingewinn sogar um 37 Prozent auf 21.1 Mio. CHF.

Dormakaba erneuert Syndikatskredit über 525 Mio. CHF unter Federführung der ZKB. Der Kredit auf Saron-Basis (Libor) ersetzt höhere verzinste Darlehen und ist auch für Investitionen in die Nachhaltigkeit gedacht.

Bei Sika und Lonza kam es nach den Höhenflügen der Vorwochen zu grösseren Gewinnmitnahmen.

Erster Jahresrückblick und Aussichten

Die Zeitschrift «Bilanz» hat wie jedes Jahr um diese Zeit die Vermögen der der 300 reichsten Schweizer im Detail analysiert (135 Milliardäre). Dieses ist im Jahre 2020 trotz Corona insgesamt um 0.7 Prozent auf CHF 707 Milliarden gewachsen, dank gestiegener Aktienkurse in einigen Sektoren.

Im Vergleich dazu verbesserte sich die Börsenkapitalisierung der Schweizer Aktien im laufenden Jahr um 1.4 Prozent auf knapp über 1'700 Mrd. CHF. Somit hat das gesamte Schweizer Aktienvermögen im Jahre 2020 trotz der aktuellen Gesundheitskrise zugenommen.

Die Zukunft ist weiterhin von der Gesundheitspolitik geprägt. Einige Länder und Kantone sind immer noch im Teillockdown. Deutschland und Italien verlangen sogar, den Start der Skisaison ins kommende Jahr zu verschieben. Österreich widersetzt sich dieser Forderung. Die Schweiz könnte als Nichtmitglied der EU ebenfalls den Skisport zulassen.

In den kommenden Tagen dürfte ein definitiver Entscheid fallen. Es ist zu hoffen, dass dem Tourismus nicht noch mehr Schaden zugefügt wird und auch das Weihnachtsgeschäft (Detailhandel) trotz Pandemie möglich bleibt.

Auch die genaue Markteinführung der Medikamente und Impfstoffe bleibt ungewiss.

Weitere staatliche Wirtschaftshilfe und deren Umfang dürften die Aktienkurse im kommenden Jahr beeinflussen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24