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Kanton
18.11.2020

Volkswirtschaftsdirektor macht optimistische Prognosen

Volkswirtschaftsdirektor Andreas Barraud: «Ich plädiere für einen möglichst pragmatischen Umgang mit dem Virus.» (Bild: Keystone)
Die Wirtschaft wird von der zweiten Corona-Welle getroffen. Volkswirtschaftsdirektor Andreas Barraud glaubt jedoch, dass wir das Schlimmste schon hinter uns haben.

SVP-Nationalrat Pirmin Schwander wirft der Schwyzer Regierung vor, die Maskenpflicht sei verfassungs- und rechtswidrig. Wie kommt das bei Ihnen an? 

Es ist legitimes Recht von Pirmin Schwander, eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht einzureichen. Allerdings muss festgestellt werden, dass das Verwaltungsgericht nicht auf die Beschwerde eingetreten ist und diese ans Bundesgericht übermittelt hat. 

Die Massnahme der 30er-Grenze bei Veranstaltungen finden Künstler unverhältnismässig. War das eine Panikreaktion des Schwyzer Regierungsrates? 

Der Kanton Schwyz wurde durch seine sehr stark steigenden Fallzahlen landes- und gar europaweit zum Corona-Hotspot. Darauf hat der Regierungsrat reagiert und weiterführende Massnahmen – insbesondere eine Beschränkung von öffentlichen Veranstaltungen auf 30 Personen – beschlossen: Mit dem Ziel, die Fallzahlen rasch wieder zu senken sowie das Gesundheitswesen nicht zu überlasten. 

Ökonomen machen sich sogar für einen zweiten Lockdown stark: Fährt die Regierung mit dem eingeschlagenen Weg eine Hochrisikostrategie? 

(...) Der Regierungsrat hat nie eine Hochrisikostrategie verfolgt, sondern stets pragmatische Lösungen mit Augenmass, immer im Sinne eines vernünftigen Mittelwegs, angestrebt und entsprechend Massnahmen beschlossen. Einen weiteren Lockdown halten wir zurzeit für nicht angebracht. Mit dem eingeschlagenen Weg wollen wir sowohl der Gesundheit der Bevölkerung als auch der Wirtschaft weiterhin einen guten Boden bereiten. 

Die Wirtschaft braucht Hilfe. Aber wer bezahlt die Rechnung für die zweite Welle? 

Seit Beginn der Covid-19-Krise haben der Bundesrat und der Regierungsrat umfangreiche Hilfsmassnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie beschlossen. Der Bund stellte für die Wirtschaft zinslose Überbrückungskredite in der Höhe von 40 Milliarden zur Verfügung, der Kanton Schwyz zusammen mit den Geschäftsbanken 150 Millionen. Des Weiteren hat der Regierungsrat im Mai beschlossen, sich am Bürgschaftsprogramm des Bundes zur Gewährung von Startup-Bürgschaften in der Höhe von 7,5 Millionen zu beteiligen. Zudem bewilligte der Kantonsrat im Mai eine vom Regierungsrat vorgelegte Ausgabenbewilligung im Umfang von 2,5 Millionen für das Impulsprogramm zugunsten der Schwyzer Wirtschaft sowie des Tourismus und der Gastronomie. 

Mit welcher weiteren Hilfe ist zu rechnen? 

Zurzeit schnüren Bund und Kantone mit Hochdruck ein neues Hilfspaket. Damit sollen Härtefälle abgefedert werden, die direkt oder indirekt auf behördliche, gesundheitspolizeiliche Massnahmen zurückzuführen sind. Der Bund hat bereits 200 Millionen zugesichert, wird aber aufgrund der Vernehmlassungen noch prüfen, ob er diesen Betrag erhöhen wird. (...)

Die Arbeitslosenquote im Kanton Schwyz bleibt unverändert tief: Überrascht Sie diese Entwicklung?

Unsere starke und breit abgestützte KMU-Landschaft bleibt trotz Pandemie gut aufgestellt und wird die Krise besser bewältigen können als zum Beispiel Unternehmen, die sehr stark exportorientiert sind. Hingegen trifft die Corona-Pandemie die Event-, Reise- und Tourismusbranche sowie unsere Gastrobetriebe und die Hotellerie hart. Just für eben diese Branchen soll das Härtefall-Programm zur Anwendung kommen. 

Wie ist es um die Beschäftigungsaussichten in der Zukunft bestellt? 

Ich bin vorsichtig optimistisch, was die Aussichten betrifft, und durchaus guten Mutes, dass wir in diesen schwierigen Zeiten das Schlimmste bereits hinter uns haben. Die tiefe Arbeitslosenquote per Ende Oktober von 1,5 Prozent ist ein positives Zeichen dafür, dass die Schwyzer Wirtschaft trotz Corona nach wie vor pulsiert. (...)

Rechnen Sie mit einer Konkurswelle im Kanton Schwyz?

Überraschenderweise ist in diesem Jahr die Zahl an neu gegründeten Betrieben leicht angestiegen. Es gibt noch keine Anzeichen, dass es im Kanton Schwyz zu einer Konkurswelle kommen könnte. (...)

(...)

Für wie gross halten Sie das Risiko, dass sich als Folge von kantonalen Lösungen Ungleichheiten zwischen den Kantonen weiter vergrössern würden? 

Ich bin überzeugt, dass wegen des hier zur Anwendung gelangenden Föderalismus keine Kluft zwischen den Kantonen entsteht. Die Regierungen handeln und entscheiden aufgrund ihrer Analysen und Erfahrungen, wählen situativ ein Vorgehen und treffen just diejenigen Massnahmen, die für eine spezifische Lage passend sind. 

(...)

Corona stiftet politische Verwirrung und weicht die Fronten von Links und Rechts auf. Welche Meinung vertreten Sie im Umgang mit dem Coronavirus? 

Ich plädiere für einen möglichst pragmatischen Umgang mit dem Virus. Möglicherweise wurde das Virus, als es im Januar ausgebrochen war, falsch eingeschätzt und man hat es damals verpasst, die notwendigen Massnahmen zu treffen. Fakt ist, dass das Coronavirus eine unerhörte Medienpräsenz und die kontroversesten Diskussionen – auch unter Fachleuten – ausgelöst hat. Ich hoffe, dass wir so rasch wie möglich wieder zu einem «courant normal» für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaft zurückfinden.

Ausführliches Interview in den Printzeitungen «Bote der Urschweiz», «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» zu lesen.

 

Magnus Leibundgut