Es schreibt niemand vor, dass die Weihnachtslichter im Januar nicht mehr brennen dürfen. Es sind Traditionen, gesellschaftliche Normen, wahrscheinlich auch Kosten und organisatorische Entscheidungen, die dazu führen, dass nahezu alle Deko-Lichter im Januar aus sind.
Kirchliche Normen
Der kirchliche Kalender gibt vor, dass die Weihnachtszeit am 6. Januar (Dreikönigstag) historisch endet. In manchen Gegenden ist es erst der 2. Februar (Mariä Lichtmess). Bis dahin wären Weihnachtslichter noch legitim. Doch für viele ist eine längere Weihnachtszeit kein Thema mehr.
Man macht das halt so...
Die gesellschaftliche Norm ist ganz einfach – man macht das halt so. Dabei sind die wichtigsten Punkte, dass man sich von der Weihnachtsromantik entfernt, weil die Schule, die Arbeit und somit der "ernst des Jahres" wieder beginnt. Weihnachtslichter werden mit Ferien, Konsum und auch mit einem speziellen Ausnahmezustand verbunden. Wenn der Alltag zurückgekehrt ist, dann wirken diese Lichter für viele überholt und unpassend. Dabei geht es nicht um die Weihnachtsdekoration, sondern um die Lichter, die die dunkle Jahreszeit heller erscheinen lassen. Der soziale Druck ist so gross, dass sich viele Menschen fügen und alles abräumen.
Die Handhabung von Gemeinden und Städten
In den Gemeinden und Städten entscheidet dessen Regierung, wie lange die öffentliche Weihnachtsbeleuchtung hängen bleibt, wann sie abgeschaltet und abgebaut wird. Dafür gibt es plausible Erklärungen wie Stromkosten, Wartung, Personalaufwand, Verkehrssicherheit und auch das Thema der Stromverschwendung. Die Abschaltung erfolgt meistens zwischen dem 2. und 10. Januar. Auch da gibt es kein Gesetz, sondern eine Verwaltungsentscheidung. In den letzten Jahren kam die Energie-Debatte und die Moral besonders zum Tragen. Die Themen der Energiekrise, der Klimadiskussion und der Sparappelle hielten auch vor der Weihnachtsbeleuchtung nicht an. Sie wurde als unnötig, nicht mehr zeitgemäss und provozierend empfunden. So entstand auch durch diese Themen ein indirekter Druck, die Lichter früher abzuschalten.
Ein Aspekt, an den vielleicht viele nicht denken, ist, dass die Beleuchtung oft gemietet, zeitlich programmiert und Teil des Winterevents sind.
Wie steht es denn mit Privathaushalten?
Da hat niemand von aussen etwas zu sagen. Sie wird abgeschaltet, wann die Bewohner es bestimmen, ob sie nun moralisch sich verpflichtet fühlen, sparen oder andere private Gründe dafür haben. Es ist kein Verstoss, wenn Nachbarn im Januar noch Lichter haben, weil es nicht verboten und kein Regelverstoss ist. Es ist höchstens eine Frage des Geschmacks. Viele schalten sie ab, weil sie nicht auffallen wollen, das Gefühl haben, es ist vorbei und einfach Ordnung schaffen wollen.
Und Weihnachtslichter stehen für Wärme, Stillstand, Gemeinschaft, Dunkelheit, die erhellt wird, doch der Januar steht für Leistung, Neubeginn, Disziplin und Zurück in die Spur.
Die weiter brennenden Lichter stören das Drehbuch. Diejenigen Regionen, die die Lichter bewusst bis Lichtmess brennen lassen, tun das als Zeichen gegen die Winterdepression und für die Gemeinschaft. Es geht hier wohl weniger um das Dürfen als um das, was sich die Gesellschaft erlaubt.
Doch das frühe Abschalten hat nichts mit dem alten Brauchtum zu tun, sondern ist ein relativ junges Phänomen.