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Feusisberg
19.11.2019
19.11.2019 11:39 Uhr

Die IG Pro Feusisgarten will das ehemalige Kurhaus erhalten

Ein Expertengutachten besagt: Die Errichtung von privaten Wohnungen im Feusisgarten ist nicht zonenkonform. Nun verlangt ein neuer Verein, dass die Liegenschaft als schützenswert eingestuft wird. Erste Schritte in diese Richtung könnte der Gemeinderat einleiten.
«Jetzt braucht es das aktive Einbringen der Bevölkerung!»
Siegfried Hettegger, Sprecher der IG Pro Feusisgarten

Alle Bewohner von Feusisberg und Schindellegi fanden kürzlich einen Flyer mit dem Titel «Rettet den Feusisgarten» in ihren Briefkästen vor. Darin steht: «Der beliebte Feusisgarten soll abgerissen werden und einem gesichtslosen Wohnbaukomplex weichen.» Dies, weil die Grundeigentümerin, die Korporation Wollerau, im letzten April grünes Licht für einen neuen Baurechtsvertrag mit der Feusisgärtli AG gab. Die AG plant dort eine Altersresidenz. Dagegen wehrt sich der neu gegründete Verein IG Pro Feusisgarten. 

Der Verein wirft neue Fragen auf, unter anderem warum der Feusisgarten, ein ehemaliges Kurhotel, nicht im Kigbo (kantonales Inventar geschützter Bauten und Objekte) verzeichnet ist. Die IG Pro Feusisgarten ist sich bewusst, dass das neue Projekt kaum verhindert werden kann und man sei auch nicht grundsätzlich gegen Investitionen. Gefragt sei eine Win-win-Situation, beispielsweise den Altbau in den Neubau zu integrieren. 

Nach dem Baurechts-Entscheid der Korporation Wollerau vom April 2019 habe Siegfried Hettegger (Sprecher der IG) bei der Gemeinde Feusisberg nachgefragt, ob man in Betracht ziehe, für die Feusis-garten-Parzelle ein Gesuch für die Aufnahme im Kigbo einzureichen. Der Gemeinderat sehe jedoch «keine Veranlassung», den Feusisgarten unter Schutz zu stellen. Deshalb liess Hettegger von Professor Dieter Geissbühler, Architekt und Dozent an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur, ein Gutachten zur Liegenschaft erstellen. 

Nicht zonenkonform

Der Luzerner Professor kommt zum Ergebnis, dass das Gebäudeensemble im Feusisgarten eine hohe baukulturelle Bedeutung hat. Durch seine Lage an einer markanten Aussichtsposition ausserhalb des Dorfes sei es «identitätsbildend für die Landschaft». Nur schon deshalb müsste eine Unterschutzstellung beantragt werden. Vielleicht, so hofft Hettegger, ändere der Gemeinderat durch die neuen Informationen des Gutachtens seine bisherige Haltung. Mit einem Gutachten der kantonalen Denkmalpflege in Auftrag hätte man eine neue Beurteilungsgrundlage.

Gegner nicht unterschätzen

Was das Luzerner Gutachten nicht beantwortet, ist die Frage nach einer vertieften Bauuntersuchung und dem Zustand der Gebäudesubstanz im Feusisgarten. Die Bauten rund um das Restaurant seien nicht schützenswert, informiert der Professor, auch die IG will nur eine Unterschutzstellung des Hauptgebäudes erreichen.

«Jetzt braucht es das aktive Einbringen der Bevölkerung», betont Hettegger. Die IG möchte zeigen, dass die Liegenschaft in der Bevölkerung einen grossen Rückhalt geniesse. «Wenn sich genug Leute beteiligen, haben wir eine realistische Chance, den Abbruch zu verhindern.» Auch der Gemeinderat wurde postalisch über das Anliegen der IG informiert, die sich für ein Treffen anbietet.

Das letzte Wort in der Causa Feusisgarten dürfte noch nicht gesprochen sein, denn Siegfried Hettegger ist ein Gegner, der nicht zu unterschätzen ist. Auch beim Verein Linth Gegenwind war er dabei. Mit Erfolg: Es wird keine Windräder in Glarus Nord geben. 

Die IG plant bereits weiter und lässt sich in die Karten blicken: Falls der Gemeinderat nicht aktiv werde, gebe es andere Möglichkeiten fürs Volk, beispielsweise eine Petition oder sogar eine Pluralinitiative. 

www.feusisgarten.ch

Patrizia Baumgartner