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Kanton
03.11.2020
03.11.2020 13:32 Uhr

Psychiatrieklinik statt Gefängnis

«Früher habe ich falsche Medikamente erhalten», sagte der Beschuldigte vor dem Schwyzer Strafgericht.
Ein psychisch kranker Ägypter ging auf Bekannten los. Das Schwyzer Strafgericht verordnete eine stationäre Massnahme.

Der heute 32-jährige Ägypter verliess 2012 sein Land, weil er in der Schweiz eine Schweizerin heiratete. Aus der Ehe sind zwei Kinder entstanden. Von seiner Frau lebt er heute getrennt. Zuerst arbeitete der Mann in der Schweiz als Koch, dann verlor er seine Arbeitsstelle und blieb arbeitslos.

In Altendorf und Lachen

Im Jahr 2017 erkrankte er an einer paranoiden Schizophrenie. Mehrmals musste er deswegen fürsorglich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. «Früher habe ich falsche Medikamente erhalten. Jetzt sind es die Richtigen. Und mir geht es gut», sagte der Mann dem Schwyzer Strafgericht.

Er befindet sich seit März im vorzeitigen Massnahmenvollzug in einer psychiatrischenKlinik. Für eine kurze Zeit lebte er bei einem Bekannten in der Asylunterkunft in Altendorf. Zu dieser Zeit konsumierte er Drogen, die er nach eigenen Aussagen von seinem Bekannten erhielt. Aufgrund seiner Krankheit kam er zur Überzeugung, dass sein Bekannter ein Drogendealer sei, weshalb er sich von ihm distanzierte.

Am 16. September 2019 drang er trotz Hausverbots in die Wohnung des Bekannten ein, um seine Kleider zurückzuholen. Er war der Meinung, dass der Bekannte diese Kleider nämlich verkaufen wolle. Wenige Minuten später traf er den Bekannten in Lachen. Er ging auf ihn los; versuchte, ihm mit der Stirn auf die Nase zu schlagen, verletzte ihn mit einem Messer an der linken Wange und am Oberschenkel. Als ein Passant verbal einschritt, liess der Beschuldigte von seinem Opfer ab und ergriff die Flucht.

Den Hausfriedensbruch gab er zu, die Auseinandersetzung beurteilte er aber anders.Er habe kein Messer in der Hand gehalten, sondern den Deckel einer Cola-Dose. Sein Kontrahent habe ihn zuerst geschlagen.

Mehrere Zeugen sahen dies aber anders und bezichtigten den Ägypter als alleinigen Angreifer. Gestützt darauf verlangte der Staatsanwalt eine Verurteilung wegen qualifizierter, eventuell versuchter schwerer Körperverletzung. Der Beschuldigte sollte aufgrund seiner Krankheit und der daraus folgenden stark verminderten Schuldfähigkeit mit einer Freiheitsstrafe von lediglich acht Monaten verurteilt werden. Die Strafe sei aufzuschieben zugunsten einer stationären Massnahme. Zudem verlangte die Anklage eine fünfjährige Landesverweisung.

Psychiatrie und Landesverweis

Das Strafgericht verurteilte den Mann wegen Hausfriedensbruchs, mehrfacher versuchter schwerer sowie versuchter einfacher Körperverletzung zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe. Diese Strafe muss er nicht absitzen. Er muss sich aber weiterhin in der Psychiatrieklinik behandeln lassen. Eine ambulante Massnahme lehnte das Gericht ab.

Nach der stationären Behandlung muss er für fünf Jahre das Land verlassen. Ein Härtefall bestehe nicht. Das Gericht sah die Vorwürfe der Anklage aufgrund der Zeugenaussagen als erwiesen an. Das Urteil des Strafgerichts ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Ruggero Vercellone, bdU