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Region
22.10.2020

Statt Blumen Masken schenken

Dora Weber zeigt eine fertige Maske. (Bild: Nicole Dürst)
Dora Weber aus Lachen nähte bereits über 800 Masken und verschickte diese an ihren Bekanntenkreis. Sie erzählt, worin sie die Dringlichkeit erkennt und wie sie auf diese Idee gekommen ist.

Die 66-jährige Dora Weber aus Lachen öffnet ihren Holzschrank mit meterlangen Stoffen. «Im oberen Stock hat es noch viele mehr. Aber diese zeige ich jetzt nicht, der Anblick wäre zu überwältigend», lacht die 66-Jährige herzlich. Dora Weber ist Mitglied in der Märchler-Quiltergruppe, sie näht schon lange, bisher Patchworkarbeiten – Decken aus zusammengesetzten, verschiedenfarbigen Stoffen – und seit der Corona-Zeit eben auch die Masken. Hunderte von Masken.

Massenproduktion in der Stube

Geübt schneidet die pensionierte Sigristin den Stoff zu. «Das ist eine gute Beschäftigung während des Fernsehens», beschreibt Weber den Ablauf. Danach geht es an die Nähmaschine, denn Überstoff und Unterstoff müssen nun zusammengenäht werden. Zwischen den beiden Stoffen natürlich ein Draht für die Nase. Zuletzt werden die beiden Gummibänder befestigt, et voilà: Nach knapp zehn Minuten hält sie eine fertige Stoffmaske in der Hand. Bereits über 800 Masken hat die Seniorin genäht und diese grösstenteils verschenkt. «Mein Ziel ist es, dass sich möglichst viele Menschen sicher und gut schützen können», so Weber. Die meisten Stoffe erhält sie geschenkt oder kauft sie ein. «Wichtig ist, dass ich einen antimikrobiellen Innenstoff verwende. Diesen kaufe ich jeweils in einem Stoffladen in der Region.» Der Überstoff, das ist die Aussenseite der Maske, kann aus einem schönen, alten Stück Vorhang bestehen oder aus Stoffresten. Bequem und nicht zu dick sollte der Stoff sein.

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  • Die Pensionärin versteht ihr Handwerk.
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Nebst nähen hält die Pensionärin gerne die Nase in Bücher. «Ich habe in den vergangenen Jahren viele Bücher über die Spanische Grippe gelesen. Heute sind wir zum Glück medizinisch fortgeschrittener und wissen mehr über Pandemien», woraus Dora Weber folgert, dass sich die Bevölkerung besonders gut während der Corona-Pandemie schützen muss. Ende April begann sie mit dem Nähen der Masken.

Schöne Masken – ein Hingucker

Weber kann gut nachvollziehen, weshalb sich viele gegen eine Maske sträuben. «Es ist oft eine Angst hinter etwas Unbekanntem und nicht atmen zu können, sozusagen auch ein Verlust der Freiheit», erklärt sie sich die Skepsis gegenüber Masken. Aus diesem Grund möchte sie besonders modische Masken nähen, damit sich der Träger damit wohlfühlt oder von anderen Personen gar bestaunt werden kann: «Wenn eine Person mit einer blauen Einwegmaske in das Tram steigt, ist das nichts Besonderes. Aber wenn jemand eine schöne Stoffmaske trägt, dann kann das schon ein richtiger Hingucker sein.»

«Nähen ist sehr einfach»

«Anstelle von Blumen bringe ich Masken als Mitbringsel», sagt sie schmunzelnd. Die Masken verschenkt Weber grösstenteils im Bekanntenkreis. Und der ist gross, denn sie lebte mehrere Jahre in Florenz, Paris oder England, bis sie ihren Mann Karl auf dem Stöcklichrüz kennenlernte und mit ihm und Sohn Vital vor knapp 35 Jahren in Lachen sesshaft wurde. Im Januar ist ihr Mann verstorben. Ihr Hobby gibt ihr viel Energie, um die Trauer zu verarbeiten.

Heute appelliert Weber an Frauen, vermehrt Masken zu nähen. «Zuerst hatte ich den Mut nicht dazu. Eigentlich ist das Nähen aber sehr einfach. Man benötigt keine aufwendigen Materialien dafür und kann sich trotzdem im Alltag schützen.»

Nicole Dürst, Redaktion March24 & Höfe24