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Lachen
15.10.2020

Spital Linth und Lachen: So ist es mit Corona bei uns!

Peter Werder (Spitaldirektor Linth) und Franziska Berger (Spitaldirektorin Lachen) nehmen Stellung zur aktuellen Corona-Krise.
Seit Februar ein Corona-Toter im Spital Linth, vereinzelt Patienten im Spital Lachen – keine Panik trotz steigender Fallzahlen: Die beiden Spital-CEOs vom Linthgebiet ziehen Zwischenbilanz.

Seit Februar 2020 ist Dr. phil. Peter Werder CEO des Spital Linth in Uznach, in dem jährlich 5'500 Patienten stationär behandelt werden. Dazu kommen 1500 ambulante Eingriffe und knapp 35'000 (ambulante) Sprechstunden.

Ein Jahr länger im Amt ist Franziska Berger, CEO des Spital Lachen, mit jährlich 6‘200 stationären und 28‘400 ambulanten Patienten.

Im Interview erläutern die beiden Spital-Verantwortlichen, wie sich die Corona-Krise aktuell bei ihnen auswirkt.

Was hat sich mit den steigenden Fallzahlen seit Ende September in Ihrem Spital verändert?

Peter Werder, Spital Linth: Uns beschäftigen unter anderem die Abstriche auf dem Notfall. Hier arbeiten wir mit den regionalen Hausärzten zusammen und werden wohl bald auch Hilfe vom Kanton brauchen. Es sind eben nicht nur die Abstriche selber, die aufwändig sind: Es kommen Anfragen beim eigenen Telefondienst, die Diagnostik selber, unterschiedliche Verrechnungen und dann auch das Handling der Konsequenzen: Erläuterungen zu Quarantänefragen bishin zum Spitaleintritt. Seit September verzeichnen wir in diesen Arbeitsaufwänden eine Verdoppelung im Vergleich zu Juli/August.

Franziska Berger, Spital Lachen: Nachdem wir in den Sommermonaten kaum mehr Patienten mit Covid-19 gesehen haben, haben wir jetzt wieder vereinzelte. Die grösste Veränderung ist die Nachfrage nach Tests. Deshalb haben wir seit dem 1. Oktober 2020 ein Testcenter eingerichtet. Das entlastet unsere Notfallstation und hilft, dass wir den Normalbetrieb weitgehend unbeeinflusst aufrechterhalten können. Gleichzeitig werden wir dem Anspruch gerecht, effizient Covid-19-Fälle zu diagnostizieren. In der kälteren Saison ist es wichtig, dass wir die von der Pandemie Betroffenen schnell erfassen und richtig betreuen können, dass wir aber auch Strukturen haben, die das Ansteckungsrisiko im Spital – besonders auf der Notfallstation – so klein wie möglich halten.

Welche Auswirkungen durch Covid-19 sind momentan zu spüren?

Linth: Man darf nicht vergessen: Wir sind auch grosser Arbeitgeber. Wir bereiten uns seit langem und immer wieder in Sitzungen auf mehr Patientinnen und Patienten vor. Dabei ist aber nicht nur die Covid-Erkrankung von Bedeutung, sondern wir haben auch unsere Personalausfälle im Fokus, die aufgrund der Quarantäneregelung eintreten können. Einfach gesagt ist es für uns zurzeit das grössere Risiko, mit diesen Ausfällen zu leben, als eine steigende Zahl von Covid-Patienten zu behandeln. 

Lachen: Wir bekommen viele Anfragen zum Thema Pandemie. Viele Menschen wollen einen Test machen lassen. Immer wieder haben wir auch Patienten, die hospitalisiert werden müssen. Das Thema Pandemie ist präsent und hat Einfluss auf den Spitalalltag: Von der Lagerhaltung für Schutzmaterial über die Umsetzung der Schutzkonzepte wie Schutzmasken oder Händedesinfektion, und die Schwierigkeit, die Verpflegung für Personal und Besucher weiterhin anbieten zu können, bis hin zu organisatorischen Fragen in den Abläufen. Alle Bereiche spüren diesen Einfluss. Es braucht kontinuierlich Überlegungen, wie der Spitalbetrieb in der Pandemie möglichst normal weitergeführt werden kann, damit wir unserem Auftrag gerecht werden können.

Wie viele Covid-19-Patienten wurden in Ihrem Spital auf der Intensivstation behandelt?

Linth: Zurzeit sind in den neun öffentlichen St. Galler Spitälern knapp 20 Patienten hospitalisiert, wovon nur eine Handvoll auch beatmet werden muss. Die Zahlen steigen sehr leicht an, wobei der Anstieg nicht vergleichbar mit den Infektionsraten ist. Am Spital Linth waren und sind es immer zwischen 0 und vier Personen - ohne Beatmungsbedarf.

Grundsätzlich werden von den Medien zurzeit die Infektionszahlen und teilweise die Positivitätsraten publiziert. Diese sind direkt für die Spitäler nur bedingt relevant. Infektionen sind keine Erkrankungen. Erst wenn positiv Getestete Symptome zeigen, haben sie Covid-19 und sind krank. Und nur in wenigen Fällen müssen sie ein Spital aufsuchen oder müssen gar beamtet werden.

Lachen: Dazu machen wir keine Angaben.

Wie viele Patienten sind in Ihrem Spital seit Februar 2020 verstorben mit/an Corona?

Linth: Bei uns ist bis jetzt ein Patient verstorben, das war im Frühling.

Lachen: Dazu machen wir keine Angaben.

Hat Ihr Spital-Personal seit Einführung der Maskenpflicht mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen?

Linth: Unser Personal hat nicht mehr als sonst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, es sind mehr die Abwesenheiten über die Quarantäne-Regelungen, die uns in der Planung Mühe bereiten. Masken sind im Spitalalltag in vielen Bereichen nichts Neues.

Lachen: Nein. Die Maskenpflicht wird gut akzeptiert und verursacht wissentlich keine gesundheitlichen Probleme. Das konsequente Tragen von Masken im Spital ist auch ein Zeichen dafür, dass wir das Risiko bewusst wahrnehmen und dass wir unsere Patienten, von denen viele zu Risikogruppen zählen, schützen wollen. Es ist ein Zeichen der als gemeinsame Verantwortung verstandenen Solidarität.

Sibylle Marti, Linth24