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Auto & Mobil
13.10.2020

Kantonsingenieur zweifelt an Nutzen von Einbahn

Der St. Galler Kantonsingenieur Marcel John betrachtet Nutzen und Mehrheitsfähigkeit eines Einbahnverkehrs auf dem Seedamm als kritisch. Rapperswils Ex-Bausekretär Reto Klotz hat dies vorgeschlagen.

Und ständig grüsst der Durchgangsverkehr. So liesse sich angelehnt an einen Filmklassiker die jüngst von Reto Klotz in die Runde geworfene Idee für eine Verkehrslösung in Rapperswil-Jona flapsig kommentieren. Der Ex-Bausekretär und Präsident des Verkehrsvereins, Reto Klotz, schlägt eine Einbahn auf dem Seedamm vor, um den Durchgangsverkehr in der Stadt zu verringern. «Weniger Durchgangsverkehr würde uns Schnauf geben für Kreisellösungen und einen besseren ÖV», so Klotz’ Idee. Die Probleme Lärm und Abgase löse derweil die technische Entwicklung mit Elektro- und Wasserstofffahrzeugen.

«Idee nicht völlig neu»

Bei Kantonsingenieur Marcel John scheint der Vorschlag eine Mischung aus Verwunderung und leichter Beunruhigung auszulösen. Die Idee sei keineswegs völlig neu, sagt John. Im Rahmen des Mobilitätsforums 2013 wurden rund 60 Verkehrsmassnahmen geprüft. Stadtrat und Experten diskutierten damals in drei Foren mit rund 100 Interessierten aus der Bevölkerung.

Neben der Einführung von Gebühren oder einer Sperrung für den Schwerverkehr wurde 2013 auch die Idee einer stündlich wechselnden Einbahn eingebracht – und alle Ideen verworfen. Die Sperrung für den Schwerverkehr prüfte der Stadtrat gar zusammen mit Freienbach, kam aber zur Einsicht, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stünden, zumal der echte LKW-Durchgangsverkehr nur etwa ein Prozent ausmache.

Ziel- und Quellverkehr bleiben ein Problem

John ist gegenüber einer generellen Einbahn auf dem Seedamm aus zwei Gründen skeptisch. Er bezweifelt sowohl den Nutzen als auch die Realisierbarkeit der Massnahme. Zwar könnte ein Einbahnregime den Verkehr auf dem Seedamm auf rund 10'000 bis 13'000 Fahrzeuge halbieren. Allerdings ist nur etwa die Hälfte davon Durchgangsverkehr. Die andere Hälfte ist Zielverkehr, der in die Stadt, oder Quellverkehr, der aus der Stadt will. Könnte dieser in eine Richtung nicht mehr über den Damm fahren, würde das zu einer Mehrbelastung von Zürcher-, Rüti- und St.Gallerstrasse führen.

John nimmt an, dass eine Einbahn auf dem Seedamm eine Entlastung von 10 bis maximal 30 Prozent auf den Hauptachsen der Stadt brächte. Wobei die Gefahr bestehe, dass ohne Anpassungen am Strassenregime neuer Verkehr angezogen werde. Im Falle eines Tunnelbaus verhindere man dies mit flankierenden Massnahmen. «Als Konsequenz einer Einbahn auf dem Seedamm müssten auch viele Einwohner, die aus der Stadt oder in die Stadt wollen, weitere Wege fahren», gibt John zu bedenken.

 

Pascal Büsser, Südostschweiz