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Sport
17.09.2020
17.09.2020 16:28 Uhr

Beach-Feeling ist wie gewohnt, die Einreise aber kompliziert

Nina Betschart und Tanja Hüberli gratulieren sich zum Sieg. (Bilder: Franz Feldmann)
Die Schweizer Beachvolleyballer sind zufrieden. Als eine der wenigen Sportarten tragen sie in Lettland eine EM aus. Trotz Corona herrscht beim neuen Saison-Höhepunkt sogar eine gewisse Normalität. Tanja Hüberli ist auf Erfolgskurs.

Am kompliziertesten war für die Schweizer Beachvolleyballer die Vorbereitung auf die EM im lettischen Jurmala. An Corona führte kein Weg vorbei. Zum einen mussten einige der Teilnehmer in Quarantäne, zum anderen gestaltete sich die Einreise ins baltische Land nicht ganz einfach. Nun aber soll es ein Fest geben, bei dem sogar Zuschauer für Stimmung sorgen.

«Die beiden Centre Courts haben ordentlich Kapazität», erzählt Sebastian Beck, Cheftrainer der Schweizer Frauen und ab nächstem Jahr Leiter Beachvolleyball beim nationalen Verband. «Auch auf dem Nebenplatz hat es eine kleine Tribüne.» Klar ist aber auch: «Die Spieler und ihr Umfeld sowie die Offiziellen sind komplett von den Zuschauern getrennt. Und ausser auf dem Platz selber herrscht natürlich überall und für alle Maskenpflicht.» Bei den Spielen und rund ums Turnier herrscht fast so etwas wie Normalität. Entsprechend gross ist die Freude der Athleten, dass es wenigstens mit einem der Saison-Höhepunkte klappt.

Aus der Not eine Tugend

Die Vorbereitung hatte ihre Tücken. Das erlebten vor allem die Schweizer Männer am eigenen Leib. Nach der aus Schweizer Sicht mit drei von vier Finalplätzen und dem Turniersieg von Nina Betschart und Tanja Hüberli sehr erfolgreichen Hauptprobe beim Turnier der World Tour im österreichischen Baden wurde Quentin Métral, der mit Yves Haussener Platz 3 belegt hatte, positiv auf das Coronavirus getestet. Als Folge mussten Ende August auch die Schweizer Adrian Heidrich/ Mirco Gerson und Marco Krattiger/ Florian Breer für zehn Tage in Quarantäne. Letztere machten aus der Not eine Tugend und funktionierten ein Landhaus im Jura kurzerhand in ein Trainingslager um. Dass diese Tests jeweils auch ein bisschen eine Zitterpartie sein können, zeigte sich bei Métral, der nicht für die EM vorgesehen war. Nach der Quarantäne war sein Test negativ, bei einem Einladungsturnier in den Niederlanden dann aber wieder positiv.

Auch die Einreise nach Lettland war etwas komplizierter und umständlicher als üblich. Um einreisen zu können, musste man am Flughafen von Riga einen aktuellen, negativen Corona-Test vorweisen. Dann wurde man direkt in ein Zimmer eines Flughafenhotels geleitet, wo man erneut getestet wurde. Dieser Test wurde innert Stunden ausgewertet, erst wenn dieser negativ war, durfte man ins offizielle Hotel. Bei diesem Test blieb beispielsweise der Österreicher Robin Seidl hängen, so dass mit den Baden-Siegern Seidl/Waller nun ein Medaillenkandidat fehlt. Nicht komplett abgeschottet

Das Hotel selber im Ostsee-Badeort Jurmala wird zwar hauptsächlich von Teilnehmern und Offiziellen bewohnt, eine hermetisch abgeschlossene «Blase» ist es aber nicht. «Die Esssäle sind für uns reserviert», sagt Sebastian Beck. «Aber wir dürfen auch auswärts in Restaurants essen gehen.» In Lettland geht es wohl nicht in erster Linie darum, die Sportler vor Infektionen zu schützen, sondern die lokale Bevölkerung. Denn das Land (eineinhalb Mal so gross wie die Schweiz, aber nur zwei Millionen Einwohner) hat sehr tiefe Ansteckungszahlen. Knapp 1500 positive Corona-Fälle und nur 35 Covid- Tote gab es bis gestern.

Welche Auswirkungen die speziellen Voraussetzungen auf den sportlichen Ablauf haben, wird sich zeigen. Mit Ausnahme von Breer/Krattiger starteten die Schweizer Teams mit Siegen ins Turnier. «Es wird sehr spannend sein zu sehen, was passiert», sagt Beck. «Covid beweist uns, dass der Sport nicht immer komplett recht hat.» Was er meint ist, dass der Wettkampfunterbruch positive Auswirkungen haben könnte, wie Beobachtungen zeigen. Statt müde sind die Sportler fit, ausgeruht und hungrig. Und für zusätzliche Motivation sorgt die richtige, stimmungsvolle Beach-Atmosphäre.

Update: Am Donnerstag keine Spiele in Jurmala

Am Donnerstag wären eigentlich die nächsten Partien an der EM angestanden. Wegen Starkwind wurden zuerst alle Matches bis am Mittag verschoben, dann jedoch alle Partien des Tages abgesagt, da der Cenre Court total überschwemmt wurde. Morgen soll es an einem neuen Ort weitergehen.

Marcel Hauck