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Kultur
09.09.2020
09.09.2020 14:06 Uhr

SKJBO feiert 25-Jahr-Jubiläum

Das Kantonale Jugendblasorchester bei seinem Auftritt vom 11. August. (Bild: Archiv)
Vor 25 Jahren kam es zur Gründung des Schwyzer Kantonalen Jugendblasorchesters (SKJBO). Seit Beginn an steht das SKJBO unter der Leitung von Urs Bamert.

Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren sollten die Möglichkeit haben, mit Gleichaltrigen auf hohem Niveau zu musizieren. Deshalb wurde das Schwyzer Kantonalen Jugendblasorchester gegründet. Leiter Urs Bamert blickt auf 13 Lage und die Höhepunkte der vergangenen Jahre zurück und spricht über die Auswirkungen der Coronakrise.

Was wäre die Musikszene im Kanton Schwyz ohne SKJBO?

Das sollen andere beurteilen. Ich glaube aber schon, dass es etwas bringt. Einerseits in der persönlichen und musikalischen Ausbildung, andererseits dient es dazu, im ganzen Kanton ein Netzwerk aufzubauen. Man schliesst Freundschaften, die teilweise ein Leben lang halten, und hilft sich gegenseitig in den Vereinen aus. Und praktisch in jedem Lager bildeten sich Pärchen (lacht). Einige sind heute sogar verheiratet und haben Kinder.

Was geben Sie den Jugendlichen mit?

Die Liebe und das Herzblut zur Musik sind das Wichtigste. Beim Musik machen kann man wenig verstecken und muss vollen Einsatz bringen. Es gibt – etwas provokant gesagt – nur 100 oder null Prozent. Man arbeitet miteinander auf ein gemeinsames Ziel hin, da braucht's nicht nur solistische, sondern auch soziale und kommunikative Fähigkeiten.

Seit 1995 wurden 13 Lager durchgeführt, unter anderem in Schwyz, Vilters, Rheineck, Brig, auf der Musikinsel Rheinau und zuletzt in Disentis. Wie seid ihr jeweils fündig geworden, und welches waren die Kriterien?

Eigentlich wollten wir jedes Mal an einen anderen Ort. Mit der Zeit wurde es aber immer schwieriger, etwas Geeignetes zu finden. In Rheineck waren wir zum Beispiel vier Mal. Manchmal fuhren wir für die Rekognoszierung durch die ganze Schweiz. In Disentis hätten wir im Kloster proben können, wurden aber wegen Corona ausgeladen. Innert kürzester Zeit mussten wir andere Räume organisieren und konnten zum Glück einige der Kirchen und Kapellen in Beschlag nehmen.

Wenn Sie das erste Lager mit dem letzten vergleichen – was hat sich verändert?

Der Leistungswille von Jugendlichen ist nicht mehr überall so ausgeprägt wie früher. Es gibt mehr Alternativen, und man will sich nicht an etwas binden. Wohl auch deshalb ist die Zahl der Jugendlichen im Lager gesunken. In diesem Jahr waren es 55, zu Beginn 65 bis 75. Weil das Schuljahr bei den Hochschulen im September beginnt – und nicht mehr wie früher im Oktober –, führen wir das Lager nicht mehr in den Herbst-, sondern in den Sommerferien durch. Dadurch verlieren wir aber die Jugendlichen, die ihre Lehre beginnen.

«Nach einem Konzert hatte fast das ganze Orchester eine Lebensmittelvergiftung.»
Urs Bamert, Dirigent des Schwyzer Jugendblasorchesters:

Gibt es ein Konzert, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Einer der Höhepunkte war sicherlich der Auftritt an der Audienz von Papst Franziskus auf dem Petersplatz vor rund 35'000 Leuten oder mit einem Klarinettenensemble im vatikanischenGarten. Aber auch die anderen Spezialprojekte bleiben in Erinnerung: das Internationale Blasmusikfestival in Prag 2008, das Jubiläumskonzert 100 Jahre Schwyzer Kantonal Musikverband in Einsiedeln, die Kommentierten Konzerte von SchwyzKultur+, Festliche Weihnachtskonzerte der Schwyzer Kantonalbank sowie das Welt-Jugendmusik-Festival in Zürich 2005. Dort wurden wir Vize-Weltmeister und durften am Schlusskonzert in der Tonhalle spielen.

Am anderen Tag hatte aber praktisch das ganze Orchester eine Lebensmittelvergiftung …Was war passiert?

Das Konzert war an einem Montag. Es fand eine Vorprobe statt, danach gab es Sandwiches, und am Abend war das Konzert. Die Sandwiches waren den Organisatoren mittags geliefert worden und lagen den ganzen Nachmittag in der Garderobe der Tonhalle, bis sie dann um 18.30 Uhr gegessen wurden. Das Konzert ging noch gut, aber als ich um circa 1.30 Uhr nach Hause gekommen bin, erhielt ich zahlreiche SMS der Musiker. Praktisch das ganze Orchester hatte eine Lebensmittelvergiftung. Und stellen Sie sich vor: Eine der Musikerinnen ist tags darauf nach Australien geflogen …

Welche Auswirkungen hatte Corona auf das diesjährige Lager und die Konzerte?

Das Vorspielen konnte nicht im gewohnten Rahmen durchgeführt werden. Die Jugendlichen schickten per Mail Videos, und das Komitee hat diese beurteilt. Organisatorisch war dies zwar anspruchsvoller und zeitaufwendiger, aber es gab keinen anderen Weg. Die Schnupperprobe am 20. Juni fand nicht wie üblich im Probelokal des Musikvereins Verena Wollerau, sondern im Mehrzweckgebäude statt, damit der Zwei-Meter-Abstand eingehalten werden konnte. Für das Lager und die Konzerte mussten wir ein Schutzkonzept vorlegen. Jeder Teilnehmer musste eine Erklärung unterschreiben und erhielt Desinfektionsmittel. Im Car mussten Masken getragen werden, und auch im Lager wurde der Abstand strikte eingehalten – auch während der Pause. In den Ausgang durften die Jugendlichen nicht, in den Coop nur im Notfall, aber zu Randzeiten und mit Maske.

Eine weitere solche Reise ist nächstes Jahr geplant. Dann geht es in die Ukraine. Was macht das Orchester dort?

Natürlich hängt alles von Covid-19 ab. Aber geplant ist eine Konzertreise mit einem jungen ukrainischen Pianisten. Einer unserer Registerleiter im SKJBO, Marco Müller aus Küssnacht, dirigiert ein Sinfonieorchester in der Ukraine und brachte uns auf die Idee. Wir proben zuerst ein paar Tage in der Schweiz, wahrscheinlich in Wollerau, und frischen das Programm auf. Hinzu kommt Gershwins berühmte «Rhapsody in Blue», die wir zusammen mit dem ukrainischen Pianisten spielen. Voraussichtlich am Mittwoch fliegen wir in die Ukraine, wo wir zwei bis drei Konzerte geben.

Irene Lustenberger, Redaktion March24/Höfe24