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Sport
29.08.2020

Mit einem aussergewöhnlichen Hobby erfolgreich geschossen

Alex Gottschling holte an der U20-SM im Tontaubenschiessen Silber. (Bild: Franz Feldmann)
Der 13-jährige Schindellegler Alex Gottschling hat am letzten Wochenende an der U20-SM im Tontaubenschiessen die Silbermedaille geholt. Morgen startet er in Neuenburg im Compak Sporting Schiessen.

von Franz Feldmann

«Alex, aber man darf mich auch Alexander nennen», stellt sich der 13-Jährige vor. Weshalb ist er auf der Sportredaktion gelandet? Seinen Namen kennt hier (noch) niemand. Der junge Mann aus Schindellegi präsentiert stolz sein Diplom mit einer eingelassenen Silbermedaille. Dieses Dokument hat er am letzten Wochenende an den Schweizer Meisterschaften auf dem Jagdparcours gewonnen. Nur wenigen Eingeweihten wird dies etwas sagen.

Alex’ Leidenschaft ist das Schiessen. Nicht in einem Schiessstand. Nein, er befindet sich draussen an der frischen Luft. Anstelle auf richtige Tauben oder Wildtiere zu schiessen, werden je nach Disziplin Tonscheiben durch die Luft geschleudert oder rollen am Boden. «Mein Vater hat mich auf die Idee des Schiessens gebracht, er ist selber Schütze », so Alex Gottschling. «Ich habe wie viele andere Kinder auch schon immer gerne mit Waffen aller Art gespielt.»

Es braucht viel Disziplin

Das waren bis vor kurzem Spielzeugwaffen. Nun gilt es ernst. «Mein Sport ist nichts für solche, die nur spielen oder Blödsinn anstellen wollen», ist ihm ganz wichtig. Es brauche sehr viel Disziplin dazu. «Ich mag meine Kollegen sehr gerne, aber an meine Wettkämpfe würde ich nicht alle mitnehmen. » Denn dort geht es eben auch sehr diszipliniert zu und her. Denn schnell einmal könnte sich ein Schütze gestört fühlen und muss seinen Schuss wiederholen. Disziplin ist auch eine Frage der Sicherheit.

Alex Gottschling trainiert erst seit diesem Jahr seriös für seinen Sport. Der Anfang war nicht einfach. «Der Rückstoss der Waffe war für mich zu Beginn fast zu gross», erklärt er. Also musste ein Stossdämpfer montiert werden, der den Rückstoss auf etwa 50 Prozent reduziert. Auch sind nicht alle Waffen von der Grösse und vomGewicht her für Junioren geeignet. Schnell wurde nicht nur sein Vater aufmerksam auf sein Talent, dierichtigen Bewegungen mit seiner Waffe zu machen, sich instinktiv mit demSportgerät zu verhalten. Sein Trainer hat ihn aufgefordert, auch an Wettkämpfen in anderen Ländern teilzunehmen. «Die Swiss Clay Shooting Federation (SCSF) hat ein Nachwuchsproblem», erklärt der 13-Jährige. Allzu grosse Konkurrenzerwächst ihm im eigenen Land nicht. Frankreich, Grossbritannien und Italien sind die Länder, wo der Sport bekannter als hierzulande ist.

Ein grosser Aufwand

In einer solchen Sportart kann man auch nicht einfach nach draussen und in der Nachbarschaft trainieren gehen. Der Schiessplätze sind wenige und weit weg. «Ich bin oft in Muotathal, das heisst, sicher einmal die Woche.» Auch das Kaderzentrum Interlaken wäre eine Möglichkeit zu trainieren, er wurde dafür auch schon eingeladen.

Die Sportarten Skeet und auch Trap sind olympisch, nicht aber der Jagdparcours, bei dem Alex am letzten Wochenende an den Schweizer Meisterschaften den zweiten Platz belegt hat und welcher seine Lieblingsdisziplin ist. Das Ziel des jungen Schindellegler Schützen ist es, in die Nationalmannschaft zu kommen und internationale Wettkämpfe zu bestreiten. Dafür braucht es aber noch viel, viel Üben. Nicht nur vor Ort an den verschiedenen Schiessplätzen. Auch zuhause können die wichtigen Bewegungen, die über die Jahre automatisiert werden, trainiert werden.

Gestern reiste er nach Neuenburg. Am Samstag stehen in der Westschweiz die Schweizer Meisterschaften im Compak Sporting Schiessen an. Seinen ersten Einsatz hat er am Morgen, kurz nach 9 Uhr, auf dem Parcours B.

Franz Feldmann, March24 & Höfe24