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Altendorf
04.08.2020

«Wo sollen denn die Kinder am Abend Fussball spielen?»

Abends auf dem Fussballplatz der Schule noch einen Match spielen? Das ist in Altendorf und Tuggen aufgrund eines allgemeinen Verbots unter der Woche nicht möglich. Grund ist die Zunahme von Reklamationen.

Wie jede Woche wollte Fabian Leuthold an diesem Freitagabend mit seinen beiden Kindern im Alter von vier und sieben Jahren Fussball spielen gehen. Für ihn war es naheliegend, dafür auf den Schulhausplatz in Altendorf zu gehen. Als der 37-Jährige auf den Platz kam, spielten darauf bereits ein paar junge Männer Cricket. Kein Problem, man kam gut aneinander vorbei. Eine Viertelstunde später allerdings war der Spass schon vorbei. Um etwa 19.40 Uhr tauchten plötzlich Angestellte der Seewache AG auf und drohten den Spielenden mit Busse, sollten diese sich nicht vom Areal entfernen. Leuthold forderte von den Seewachen Kulanz, doch die beiden Männer liessen nicht mit sich diskutieren. Leuthold könne dies verstehen, «die beiden haben ihren Job gemacht». Nicht verstehen kann er, dass auf einem öffentlichen Platz nur bis 19 Uhr gespielt werden darf. «Wo sollen denn die Kinder sonst Fussball spielen?» 

Tatsächlich existiert das allgemeine Verbot auf dem Schulhausareal in Altendorf schon seit zehn Jahren. Der stellvertretende Gemeindeschreiber Marcel Dubach erklärt: «Dieses ist damals erlassen worden, weil sich unliebsame Gruppierungen wie Drogendealer und Vandalen auf dem Areal zusammengefunden haben.» Seit rund fünf Monaten wird das Areal zusätzlich durch die Seewache AG überwacht. «Der Auftrag mit der Seewache AG ist auf das Schulhausareal erweitert worden, da Reklamationen aufgrund von Lärmbelästigungen wieder zugenommen haben. Ebenfalls war Littering ein grosses Ärgernis – Scherben und Verschmutzung. Auch Meldungen dieser Art durch die Lehrerschaft haben leider wieder zugenommen», erzählt Dubach. Mit der Erweiterung der Kontrollgänge auf dem Schulhausareal wolle man nun beobachten, ob «diesen unliebsamen Vorkommnissen» Einhalt geboten werden könne. 

«Es gibt genug Orte zum Spielen»

Für Leuthold, der erst kürzlich aus Thalwil zu seiner Freundin nach Altendorf gezogen ist, macht das Verbot so keinen Sinn. «Ich würde es verstehen, wenn es rundherum Anwohner hätte, aber auch dann wäre ja standardmässig erst ab 21 Uhr Schluss.» Seiner Meinung nach müsste man verstärkt am See Kontrollen durchführen. Leuthold möchte sein Anliegen deshalb an der kommenden Gemeindeversammlung vom 9. November vorbringen.

Die Gemeinde Altendorf sieht kein Problem in dem Verbot. Die meisten sportbegeisterten Kinder seien ohnehin in einem Verein und am Abend könne man beispielsweise in der Badi, auf dem Pumptrack oder im Wald spielen. Leuthold bemerkt dazu, dass es zu Corona-Zeiten sicherlich besser wäre, wenn die Hotspots durch mehr Spielort-Möglichkeiten entlastet würden.

Verbote und Kontrollen auf den Schulhausarealen in March und Höfen

In Altendorf gilt unter der Woche ab 19 Uhr ein allgemeines Verbot auf dem Schulhausareal, das nun auch mit Kontrollen geltend gemacht wird. Wie sieht es in anderen Gemeinden aus? 

 

Wollerau: Zugangseinschränkung beim Schulhaus Dorf ab 22 Uhr und Nutz-ungseinschränkungen des Kunstrasens am Wochenende. Im Freizeitpark Erlenmoos darf ebenfalls ab 22 Uhr nicht mehr gespielt werden. Beide Gelände werden regelmässig kontrolliert. 

 

Feusisberg: Kennt keine Zugangsbeschränkungen. Auf dem Schulareal in Schindellegi sind Hinweistafeln angebracht worden.

 

Galgenen: keine Verbote, unregelmässige Kontrollgänge durch einen Sicherheitsdienst.

 

Tuggen: Der Sportplatz beim Schulhaus Eneda darf von 12 bis 13 Uhr und von 18 bis 8 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen nicht benutzt werden. Das Areal des Schulhauses Dorfhalde darf von 20 bis 7 Uhr weder befahren noch betreten werden. Sporadische Kontrollen der Securitas.

 

Wangen: Ein eingeschränkter Zutritt besteht seit Mai 2012 beim Sportplatz (Verbot über die Mittagszeit sowie Samstag- und Sonntagabend). 

 

Schübelbach: Beim Stockberg in Siebnen und beim Gutenbrunnen gibt es seit 2005 ein allgemeines Verbot ab 22 Uhr, an Wochenenden ab 18 Uhr. An beiden Orten werden vermehrt Polizeipatrouillen und an den Wochenenden Kontrollen durchgeführt. 

 

Reichenburg: Die Schulhausareale sind mit einem Verbot ab 22 Uhr wochentags, mittags und ab 18 Uhr am Wochenende und an Feiertagen belegt. «Seit wir vor ein paar Jahren die Videoüberwachung installiert haben, hat der Vandalismus stark abgenommen», beobachtet Gemeindeschreiber Hansueli Hüberli

 

Freienbach, Lachen und Vorderthal: kein Verbot und keine Überwachung. «Wir appellieren an die Vernunft und gute Erziehung der Anlagenbenutzer, dass zu den öffentlichen Anlagen Sorge getragen wird wie zu den eigenen Sachen. Zudem hoffen wir auf die Zivilcourage von Passanten, welche fehlbare Personen zurechtweisen oder falls nötig die Kantonspolizei aufbieten», erklärt Pius Kistler, Leiter Liegenschaften der Gemeinde Freienbach. 

Anouk Arbenz, Höfe24