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Schübelbach
18.07.2020

Sollte man nicht eher Gemeinden zusammenschliessen?

Joe Koller war bis Ende Juni Bezirksammann der March. Im Rückblick hebt er die Schulentwicklung hervor. Die Planung der Schule Lachen gehörte zu den interessantesten Geschäften seiner Amtszeit.

Die Bezirksbürgerinnen und -bürger der March haben im Mai Paul Baumann als neuen Bezirksammann der March gewählt. Dieser löst Joe Koller aus Schübelbach ab, der nach insgesamt zehn Jahren im Bezirksrat sein Amt als Bezirksammann niederlegte. Dass er nach nur zwei Jahren als Ammann die Verantwortung abgibt, liege an der beruflichen Belastung, die in seinem Unternehmen – auch durch Auslandtätigkeit – unerwartet angestiegen sei,
begründet er den Rücktritt. 

Im Rückblick schildert er eine Amtszeit prall gefüllt mit Geschäften – für die er letztlich die Oberaufsicht hatte. Ein besonderes Engagement verlangten die Schulgeschäfte, wie Joe Koller im Interview schildert. So flexibel sich das Bildungswesen zeigt, so sollen die Anpassungen erfolgen: Neu- und Umbauten der Oberstufen-Schulhäuser sind in der Planung oder wurden bereits ausgeführt. Sie werden den Bezirksrat March noch viele Jahre beschäftigen. 

Ebenso wurden die Bezirksvertreter wegen länger andauernder Konflikte auf Trab gehalten. Die Sek 1 March Buttikon machte mehrfach von sich reden, weil Umstrukturierungen verbunden mit der schulischen Neuausrichtung die Lehrerschaft, die Schüler und die Elternschaft forderten. Dass gegen Ende Schuljahr Lehrkräfte gekündigt haben, liege im «normalen bis leicht höheren Rahmen». Nicht, wie im vergangenen Jahr, als die Fluktuation hoch war.

mit Joe Koller
sprach Johanna Mächler

Sie gaben nach nur zwei Jahren das Amt als Bezirksammann wieder ab. Warum?

Der Grund liegt in der Weiterentwicklung meines, beziehungsweise unseres IT- und Kommunikationsgeschäfts. Wir sind in einem Ausbaustadium, das gerade in den vergangenen zwei Jahren sehr gewachsen ist. Wir haben eine Zweigniederlassung in Deutschland aufgebaut, wo ich auch mehr vor Ort sein muss. Aber bei Amtsantritt ging ich davon aus, mindestens zwei Amtsperioden zu machen. 

Haben Sie den Aufwand falsch eingeschätzt?

Der Aufwand war mir natürlich bekannt, ich habe ihn gut abschätzen können. Aber ich konnte damals nicht sehen, dass sich meine geschäftliche Lage so schnell entwickelt. Ich habe meine Situation während etwa ¾ Jahren beobachtet und dabei gesehen, dass ich die Arbeitslast von Geschäft und Amt nicht mehr befriedigend erledigen kann.  

Haben nicht doch die permanenten Schwierigkeiten an der Sek 1 March Buttikon Ihren Rücktritt beschleunigt? Die andauernden Turbulenzen zwischen dem Rektor, einzelnen Lehrpersonen und den Eltern waren sicher sehr kräfteraubend ...

Nein, nein, das war kein Grund. Wenn man aus solchen Gründen zurücktreten würde, wären das falsche Entscheidungen. Mein Rücktritt hatte nichts
damit zu tun. Ich bin nicht nur ein Schönwetter-Kapitän. Turbulenzen gibt es immer und überall. Es gab an der Sek 1 March diese «Führungsgeschichte». Es gab sie schon, bevor die neue Führung unter Fredy Tischhauser kam. Führungsprobleme, bei denen wir als Bezirksrat reagieren und einiges umstellen mussten. Umstellungen sind nie einfach.

Wie lief der Schulbetrieb bis zu den Sommerferien? Stimmt es, dass es wieder zu etlichen Kündigungen auf Ende Schuljahr kam?

Bis zu den Sommerferien lief es gut. Natürlich hat die Covid-19-Lage die Schulgestaltung teils erheblich erschwert, was aber von der Schulleitung sehr gut gemeistert wurde. Vor allem durch das Modell der Lernlandschaften, wo das eigenständige, computerunterstützte Arbeiten gefördert wird, konnten diese Herausforderung aufgefangen werden. Zu den Kündigungen: Die Fluktuationen liegen in einem normalen bis leicht höheren Rahmen, auch
bedingt durch Klassenreduktionen. Zudem gab es provisorische Arbeitsverhältnisse, die nicht auf permanent verlängert wurden und der grössere Teil der Abgänge sind Kleinstpensen. 

Wo müssen die Schulstrukturen weiterhin angepasst werden?

Die Strukturen für einen zeitgemässen Schulunterricht verändern sich fortwährend. Das ist normal. Aktuell gibt es die Lernlandschaften, wie sie an unseren Schulen umgesetzt wurden, dazu wird nicht mehr auf die herkömmliche Art unterrichtet, wo die Lehrperson vorne steht und lehrt. Der Schulneubau in Lachen wird ebenfalls den neuen und bestehenden Lernformen gerecht werden müssen. 

Der Schulneubau in Lachen ging durch viele Phasen, jetzt liegt ein Projekt vor, das auch den Altlasten unterhalb des Areals Rechnung tragen soll.

Die Gemeinde Lachen hatte die Lage abgeklärt und festgehalten, dass am vorgesehenen Bauort in der Umgebung des heutigen 36er-Schulhauses früher vor allem Haushaltsabfall entsorgt worden war. Natürlich muss dem Rechnung getragen werden, diese Kosten für den Bezirk und die Gemeinde sind überschaubar. Wir sehen heute keinen Hinderungsgrund, um dort zu bauen. Im Gegenteil, die Aufwertung mit Schule und Dreifachturnhalle am Seeplatz, samt Tiefgarage, ist enorm.

Kann man sagen, die Schulgeschäfte waren die interessantesten in Ihren zwei Jahren als Ammann?

Ja, der Neubau der Schule Lachen gehört dazu. Übrigens: Die Sek 1 March Siebnen ist auch in die Jahre gekommen, da muss sich in absehbarer Zeit etwas tun. Aber wir haben auch viele andere Dinge aufgegleist, etwa innerhalb des Bezirks strukturelle Anpassungen vorgenommen, die noch nicht abgeschlossen sind. Darunter fällt die Digitalisierung. Natürlich ist und bleibt das Spital als regionaler Grundversorger für uns zentral. Das Thema ist ebenfalls wichtig. Hier steht seit Längerem die Absicht des Neubaus im Raum. 

Wie der Kanton und die Gemeinden «schwimmt» auch der Bezirk im Geld. Was denken Sie persönlich über Geld beziehungsweise über Bezirksgelder?

Generell gilt: Man muss Reserven haben, denn das gibt Sicherheit. Das gilt für den Familienvater wie auch für eine Körperschaft. Beim Bezirk haben wir über die Jahre darauf geachtet, dass die Reserven nicht unverhältnismässig angestiegen sind. Interessanterweise sind in den letzten Jahren die Ergebnisse der Steuereinnahmen immer höher ausgefallen als budgetiert. Weil das der Fall ist, soll man dem Steuerzahler etwas zurückgeben, üblicherweise in der Reduktion von Steuern.

Tauchte das Thema Abschaffung der Bezirke in Ihrer Amtszeit wieder auf?

Das Thema ist mindestens zurzeit nicht präsent ... Ich arbeitete gerne und sehr eng mit den Gemeindepräsidenten zusammen. Wir haben jährlich einige Treffen, an denen sich Gemeindepräsidenten und Bezirksräte austauschen. Dabei wird immer wieder klar, dass Gemeinden vieles stemmen müssen. Da habe ich mir schon öfter die Frage gestellt, wenn schon – sollten sich nicht eher Gemeinden zusammenschliessen? Da hätte man grössere Ressourcen. 

Konkret?

Der Kanton Glarus hat sich, gegen anfänglichen Widerstand, in drei Regionen zusammengeschlossen. Ob allfällige Kooperationen dann unter den Begriff Region, Gemeinde oder Bezirk gehen, müsste diskutiert werden.
Zudem muss man offen sein für neue Formen, auch hier verändern sich die Strukturen. Es ist ja bereits jetzt wichtig, in übergreifenden Themen zusammenzuarbeiten.

Diese Ideen kann Paul Baumann, der neue Bezirksammann, weiterverfolgen. Wie schwierig ist es eigentlich, junge und neue Kräfte für das Bezirksamt zu gewinnen?

Das bleibt schwierig. Junge Leute zu finden wäre schön. Betrachte ich mein Amt als Bezirksammann, entsprach es etwa einem 30- bis 40-prozentigen Arbeitspensum.

Angesichts des doch grossen und wohl weiterhin wachsenden Pensums wurde die Bezahlung der Bezirksämter angepasst. Und auch auf Gemeindeebene ist bezüglich der Bezahlung wohl noch lange nicht das letzte Wort gesprochen ...

Eine angemessene Entlöhnung haben wir bereits an der letzten Bezirksversammlung dem Bürger vorgelegt. Dies wurde diskutiert und klar angenommen. Eine Anpassung sollte aber immer in einem Masse bleiben, so dass es gegenüber dem Bürger vertretbar ist. Aber reine Fronarbeit darf es nicht mehr sein. 

Johanna Mächler, March24