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Wollerau
11.08.2022

«Nicht das Ziel, Hunde in die Schweiz zu bringen»

Kürzlich wurden 70 Hunde auf einen LKW geladen und in einem abgelegenen Wald «entsorgt». Viele haben das Staupevirus, welches ansteckend für andere Tiere ist.
Kürzlich wurden 70 Hunde auf einen LKW geladen und in einem abgelegenen Wald «entsorgt». Viele haben das Staupevirus, welches ansteckend für andere Tiere ist. Bild: zvg
Nina Asseily hat in Wollerau einen Verein für Tierschutz im Libanon gegründet. Die Lage hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert, viele Libanesen verlassen das Land. Seit dem Krieg in der Ukraine fehlen dringend benötigte Spendengelder.

«Angefangen habe ich vor sieben Jahren bei einem Ferieneinsatz in einem Tierheim in Beirut», erzählt Tierschützerin Nina Asseily aus ihrem Leben. Die gebürtige Frankfurterin ist mit einem libanesischen Mann verheiratet und hat eine dreijährige Tochter. Seit 14 Jahren besucht das Paar aus Wollerau regelmässig Verwandte im Libanon. Sie entschied sich, ihr Leben umzukrempeln und nach ihrem Lieblingsspruch «bad things happen when good people do nothing» zu leben.

Nina Asseily Bild: zvg
«Ein ‹Nein› zu einem Platz im Tierheim bedeutet meist das Todesurteil für das Tier.»
Nina Asseily, Verein für Tierschutz im Libanon

Sie hat ihren sicheren Bankjob in Zürich an den Nagel gehängt und arbeitet nun Vollzeit und ehrenamtlich als Tierschützerin. Vor ein paar Jahren hat sie zusammen mit zwei anderen Frauen ein Tierheim in der Nähe von Beirut aufgebaut. 1'200 Tiere können dort professionell betreut werden.

Asseily betreibt auch Aufklärungsarbeit. «Es reicht eben nicht, nur Gelder zu sammeln. Das Verhalten der Bewohner muss Schritt für Schritt geändert werden, damit sich das Schicksal der Tiere langfristig verbessern kann.» 

250 ausgesetzte Hunde

Teamkolleginnen von Nina Asseily im Libanon haben zu Ohren bekommen, dass ein fragwürdiges Tierheim 250 Hunde entsorgen wollte. Dafür wurde ein Lastwagen mit 70 Hunden beladen und diese in einem abgelegenen Waldstück ausgesetzt. «Diese Hunde sind krank, unterernährt, dehydriert und voller Parasiten. Zudem leiden viele am gefährlichen Staupevirus, der auch für andere Tiere, die in der Nähe leben, ansteckend ist.» Sofort wurde von Tierschützern eine Einfangaktion eingeleitet, Nina Asseily hat von ihrem Büro in Wollerau bei der Organisation mitgeholfen. Dank ihrer guten Beziehungen konnte notfallmässig ein provisorisches, zweites Tierheim aus dem Boden gestampft werden. Ein bekannter Tierfreund hat behelfsmässig sein Grundstück zur Verfügung gestellt. «Diese Hunde müssen in Quarantäne gehalten werden, sie benötigen medizinische Hilfe und Futter. Traurig für die Helfer ist, dass vorerst mal nur etwa 60 von diesen 250 Hunden geholfen werden kann. Einige davon mussten eingeschläfert werden.»

900 Hunde (+ die aktuellen Notfälle), 300 Katzen, 4 Pferde, 1 Esel und 2 Affen sind im Tierheim von Nina Asseily untergebracht. Bild: zvg

100 Anfragen pro Tag

«Wir bekommen täglich bis zu 100 Notrufe, viele davon auch für ehemalige Familienhunde, die auf der Strasse keine Überlebenschance haben», schildert Asseily. Der Moment, wo man «Nein» sagen muss, ist besonders schwierig. «Das bedeutet meistens das Todesurteil für dieses Tier.» Der Import von Hunden in die Schweiz ist nur sehr erschwert möglich. «Mein Ziel ist es daher nicht, Hunde in die Schweiz zu bringen», erklärt sie. Die meisten von ihren 900 Tierheimhunden werden keinen Lebensplatz finden und bis ans Lebensende im Tierheim bleiben. 

Spenden und helfen auf www.ninaasseily.ch.

Krisenland Libanon

Die Preise im Libanon waren wegen der sozioökonomischen Krise schon vor dem Ukrainekrieg explodiert. Vieles Lebenswichtige wie Medikamente, Strom und Benzin sind schon länger nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr zu bekommen. Seit dem Ukrainekrieg verschlechterte sich die Situation nochmals dramatisch. Der Libanon bezog über die Hälfte des Getreides aus der Ukraine. Zu allem Unglück ist auch noch der grösste Getreidesilo des Landes bei einer Explosion im Hafen von Beirut gemeinsam mit Grossteilen der Stadt zerstört worden. Daher verlassen viele Menschen das Land und lassen ihre Haustiere zurück. Weil das Geld für das Futter fehlt, werden Tiere auch ausgesetzt.

Heidi Peruzzo, Redaktion March24 & Höfe24