Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Feusisberg
12.05.2022
14.05.2022 15:13 Uhr

Baugrubeneinsturz Feusisberg: Gemeindepräsident will Baustopp erwirken

Auf einer Baustelle in Feusisberg ist eine Baugrube eingestürzt – drei Männer starben.
Auf einer Baustelle in Feusisberg ist eine Baugrube eingestürzt – drei Männer starben. Bild: kaposz
Beim Einsturz einer Baugrube in Feusisberg wurden Donnerstagmorgen drei Arbeiter verschüttet. Alle drei Personen wurden im Verlaufe des Abends tot geborgen. Gemeindepräsident Martin Wipfli will am Montag eine Präsidialverfügung für einen Baustopp vornehmen.

Der tragische Arbeitsunfall ereignete sich gemäss einem Augenzeugen Donnerstagvormittag auf einer Baustelle in der First in Feusisberg. Gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Schwyz waren die Sicherungs- und Bergungsarbeiten seit 10 Uhr im Gange. Insgesamt standen rund 90 Personen im Einsatz.

Alle drei tot geborgen

Zunächst war nur von zwei Personen vom sicheren Tod ausgegangen, die dritte Person galt als vermisst. Am Abend konnten die Rettungskräfte mit Hilfe von vier Rettungs- und Suchhundeteams dann auch den dritten Mann orten und alle drei Personen aus den Trümmern bergen, wie die Polizei in einer Mitteilung berichtet. Ein Familienmitglied einer der Toten bestätigte am Freitag gegenüber «TeleZüri», dass auch der Chef der Firma unter den Opfern sei.

Zur Klärung der Todesursache und zur Identitätsfeststellung wurden die Verunfallten ins Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich überführt.

Weshalb es zum Baugrubeneinsturz kam, ist weiterhin Gegenstand der laufenden Strafuntersuchung.

Martin Wipfli plant Präsidialverfügung für Baustopp

Martin Wipfli, Gemeindepräsident von Feusisberg, äusserte gegenüber SRF die Vermutung, dass auf der Baustelle keine genügenden Vorabklärungen und Sicherungen durchgeführt worden seien. Es handle sich dabei um ein «schwieriges Baugelände», so seine Einschätzung. Er mutmasste dass im Vorfeld keine Abklärungen durch Ingenieure getroffen worden sein – dies habe zu diesem tragischen Unfall geführt.

Wipfli kündete an, am Montag vorsorglich eine Präsidialverfügung vorzunehmen, um einen Baustopp zu erwirken. Die Gemeinde werde prüfen, was sie unternehmen kann und möglicherweise das Baureglement ändern. Er sei der Auffassung, dass man aus solchen Ereignissen Lehren ziehen müsse – vor allem wenn Menschen dabei zu Schaden gekommen sind. Wipfli hofft, dass auch andere Gemeinden darauf Aufmerksam würden, dass es Kontrollmechanismen brauche, damit professionell gearbeitet werde.

Dem Projekt gingen drei Baugesuche voraus

Ein Blick auf Einträge im kantonalen Amtsblatt würden gemäss Recherchen von SRF zeigen, dass für das Grundstück des Unfallortes mehrere Baugesuche eingegangen seien. Dies werde auch von der Gemeinde Feusisberg bestätigt. Bei der Rohbaukontrolle 2016 seien Abweichungen festgestellt worden. 2017 sei ein Baustopp erwirkt worden. Im Jahr 2018 sei ein neues Baugesuch eingericht worden, aus dem hervorgehe, dass am Unglücksort eine Tankstelle mit Shop entstehen soll. 2020 sei auch diese Baubewilligung erneut um ein Jahr verlängert worden. Nach einer neuerlichen Projektänderung im August 2021 sei eine dritte Baugewilligung erteilt worden – diese Bauarbeiten wurden nun durch das Unglück von Donnerstag abrupt unterbrochen. Die Bauherrschaft habe das Projekt offenbar selbst organisiert und kein Fachgeschäft damit beauftragt.

Update folgt.

  • Die Baugrube stürzte ein und begrub drei Arbeiter unter den Trümmern. Bild: Johanna Mächler
    1 / 6
  • Zwei Männer starben, ein dritter wird vermisst. Bild: Johanna Mächler
    2 / 6
  • Die Strasse bleibt wegen den Sicherungs- und Bergungsarbeiten auf einer Seite gesperrt. Bild: Joanna Mächler
    3 / 6
  • In Feusisberg ist auf einer Baustelle eine Baugrube eingestürzt – zwei Männner starben, ein dritter wird noch vermisst. Bild: kaposz
    4 / 6
  • Was sich genau auf der Baustelle gegenüber der Firstgarage ereignet hat, ist noch unklar. Bild: zvg
    5 / 6
  • Die Rettungskräfte sind vor Ort – auf einer Baustelle in Feusisberg soll sich mutmasslich ein Unfall ereignet haben. Bild: zvg
    6 / 6
Franziska Kohler, Redaktion March 24 und Höfe 24