Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Pfäffikon
24.01.2022

«Man kann sowohl mit Bauch als auch mit Sixpack Schwingfeste gewinnen»

Schwingerkönig Christian Stucki sprach am Neujahrsapéro des Arbeitgeberverbandes See-Gaster über seine eindrückliche Karriere. Interviewt wurde er von Regula Späni.
Schwingerkönig Christian Stucki sprach am Neujahrsapéro des Arbeitgeberverbandes See-Gaster über seine eindrückliche Karriere. Interviewt wurde er von Regula Späni. Bild: Irene Lustenberger
Im Rahmen des Neujahrapéros des Arbeitgeberverbandes See-Gaster sprach Schwingerkönig Christian Stucki über seine Erfolge, aber auch über die Tiefpunkte seiner Karriere.

Mit einer Grösse von 1.98 Metern und einem Gewicht von rund 140 Kilogramm ist Christian Stucki schon rein optisch eine imposante Erscheinung. Und auch in seinem Sport ist der Berner einer der Grössten.

43 Kranzfestsiege und 132 Kränze hat der 37-Jährige in seiner bisherigen Karriere gewonnen. Nach den Siegen am Kilchberger 2008 und am Unspunnenfest 2017 kürte er sich 2019 in Zug zum König.

Ein Gespräch über die Höhen und Tiefen

Damit ist Stucki nicht nur der älteste Schwingerkönig aller Zeiten, sondern nach Jörg Abderhalden der zweite, dem der sogenannte «Schwinger-Grand-Slam» gelang. Ebenfalls 2019 wurde er als erster «Böser» zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt.

Über seine Erfolge, aber auch über seine Niederlagen und Verletzungen sprach Christian Stucki am Donnerstagabend am Neujahrsapéro des Arbeitgeberverbandes See-Gaster im «Seedamm Plaza» in Pfäffikon. Interviewt wurde er von der Sportmoderatorin Regula Späni.

Wechsel zu Tommy Herzog

Im seien viele Jahre der Ruf des Trainingsfaulen vorausgegangen, erzählt Stucki. Dies änderte sich 2017. Nach seinem siebten Platz beim Eidgenössischen in Estavayer 2016 – seine schlechteste Rangierung an einem Esaf – wurde ihm bewusst, dass er so sein grosses Ziel, den Königstitel, nicht erreichen würde.

Also wechselte er zu Tommy Herzog, der Stucki auch heute noch trainiert. «Unter ihm gewann ich das Unspunnenfest und das Eidgenössische. So schlecht ist meine Entscheidung also nicht gewesen», schmunzelt Stucki.

Horrorszenario Beinamputation

Im weiteren Gespräch erzählt Stucki von einem seiner grössten Rückschläge. 2005 fährt er direkt aus dem WK ans Schwarzsee-Schwinget. Während eines Ganges erhält er einen Schlag aufs Schienbein. Nichts Schlimmes ahnend, rückt «Chrigu» am nächsten Tag wieder ins Militär ein.

Im Verlauf der Woche macht sich der Bluterguss immer mehr bemerkbar. Der Arzt verschreibt ihm Antibiotikum. Tags darauf hat er 41 Grad Fieber und landet in der Notfallabteilung des Spitals. Monatelang rätseln die Fachleute über die seltsame Infektion und die schlechten Blutwerte und beraten darüber, ob dem damals 20-Jährigen das Bein amputiert werden muss.

Das Horrorszenario kann aber gerade noch abgewendet werden. Nach einer Hauttransplantation geht es langsam wiederaufwärts. Nach 16(!) Monaten Arbeits- und Sportunfähigkeit sieht Stucki wieder Licht am Ende des Tunnels.

Nicht mit Schlussgangteilnahme gerechnet

Ein weiteres Thema war Stuckis grösster Triumph, der ihn endgültig in den Schwingerolymp beförderte: der lang ersehnte Sieg am Eidgenössischen 2019. Da er sich am ersten Kranzfest der Saison am Knie verletzte, konnte er drei Monate lang keinen Ernstkampf bestreiten.

«Ich habe überhaupt nicht mit einer Schlussgangteilnahme gerechnet», erinnert sich Stucki. Nach zwei gestellten und vier gewonnenen Gängen wusste er aber, dass er noch zwei «abehämmere» müsse, um trotzdem vorne dabei zu sein.

Dank des Gestellten zwischen Sven Schurtenberger und Armon Orlik habe er es in den Schlussgang geschafft. Da sein Schlussganggegner Joel Wicki 1,25 Punkte Vorsprung hatte, musste Stucki gewinnen. «Ich wusste, dass ich in den ersten fünf Minuten gewinnen musste, weil Joel fitter ist als ich und es dann für mich knapp geworden wäre», erinnert er sich.

Und Stucki brauchte in der Tat nur 43 Sekunden, um den Luzerner zu bodigen. «Das war meine letzte Chance, Schwingerkönig zu werden und meinen grössten Traum zu verwirklichen», resümiert Stucki. Als Wicki auf dem Rücken lag, sei ihm deshalb gleich das ganze Matterhorn vom Herzen gefallen, sagt er lachend.

Bauch vs. Sixpack

Zugute gekommen sei ihm wohl auch, dass in den Monaten vor dem Esaf nicht er, sondern die «jungen Wilden» wie Samuel Giger, Pirmin Reichmuth oder Joel Wicki im Fokus der Öffentlichkeit standen und als Favoriten auf den Königstitel galten.

Apropos «junge Wilde»: Die heutigen Schwinger – allen voran Wenger, Giger und Reichmuth – seien durchtrainiert und würden aussehen wie Kleiderschränke. «Es gibt aber schon noch einige mit meiner Postur – Samir Leuppi, Patrick Räbmatter oder die Schneider-Brüder», sagt er und fügt lachend an: «Man kann sowohl mit Bauch als auch mit Sixpack Schwingfeste gewinnen.» 

Irene Lustenberger, Redaktion March24 & Höfe24