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Kanton
14.01.2022
14.01.2022 11:18 Uhr

Inzestbeziehung und versuchter Mord an Tochter

Sein Mandant habe im Affekt gehandelt, sagt der Verteidiger. Die Privatklagevertreterin aber sich sich sicher: Der Beschuldigte hat die Tat über Monate hinweg geplant.
Sein Mandant habe im Affekt gehandelt, sagt der Verteidiger. Die Privatklagevertreterin aber sich sich sicher: Der Beschuldigte hat die Tat über Monate hinweg geplant. Bild: Keystone
Gestern startete am Strafgericht Schwyz der Prozess gegen einen Vater, der seine Tochter im August 2020 mit einem Messer lebensgefährlich verletzte. Das Motiv: Eifersucht.

Beinahe hätte er seine eigene Tochter umgebracht, als der damals 56-jährige Vater mit einem Schlachtmesser brutal auf die damals 28-Jährige einstach. Das Opfer überlebte, trotz lebensgefährlicher Verletzungen. Der versuchte Femizid ereignete sich im August 2020 in Sattel. 

Staatsanwaltschaft fordert 13-jährige Freiheitsstrafe

Für die Gräueltat an seiner Tochter musste sich der heute 58-jährige aus Deutschland stammende Mann gestern vor dem Strafgericht in Schwyz verantworten. Während die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren wegen versuchten Mordes forderte, plädierte der Verteidiger auf einen versuchten Totschlag und beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, berichtet der «Bote der Urschweiz».

Zudem verlangte die Anklägerin eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken wegen mehrfachen Inzests – Vater und Tochter führten seit Jahren eine verbotene einvernehmliche Liebesbeziehung, aus der 2014 ein Sohn vorgegangen war. In der Forderung der Staatsanwältin eingeschlossen war auch ein 15-jähriger Landesverweis des Beschuldigten. 

Motive: Rache, Hass und Eifersucht

Der Angeklagte hätte sein Opfer mit drei Messerstichen in Rücken, Brustkorb und Bauch versucht zu töten. Während der Tat habe er seine Tochter zudem bespuckt, erniedrigt, gequält und gesagt: «Für das, was du mir angetan hast, musst du sterben.» 

Der Wunsch der Tochter, eine offene Beziehung zu führen und so als «Sugarbabe» anderen Männern sexuelle Dienste anbieten zu können, hatte den eifersüchtigen Vater zur Straftat bewogen. 

Privatklagevertreterin: Keine Kurzschlusshandlung, sondern geplante Tat

Wie die Zeitung weiter schreibt, forderte die Privatklagevertreterin im Namen des Opfers, deren gemeinsamen Sohnes sowie der Mutter des Opfers Schadenersatzforderungen von über 56'000 Franken sowie einer Genugtuung von insgesamt 66'000 Franken. 

Weiter argumentierte die Privatklagevertreterin, dass die Tat keine Kurzschlusshandlung gewesen, sondern über Monate hinweg geplant worden sei. Das Opfer und der körperlich-geistig beeinträchtige Sohn seien zum Zeitpunkt der Tat in der Wohnung gewesen. Bis zum heutigen Tage sind die beiden schwerst traumatisiert. 

«Fatale Liebesbeziehung»

Während der Verhandlung verweigerte der Beschuldigte wiederholt seine Aussage. Sein Verteidiger schilderte eine «fatale Liebesbeziehung»: Die Tochter sei dominant und manipulativ gewesen und habe ihren Vater nur noch als lästig empfunden. Dies gehe aus diversen Textnachrichten hervor. Auch Demütigungen und Kränkungen habe die damals 28-Jährige gegenüber dem Beschuldigten immer wieder geäussert. 

Der Entscheid der Tochter, sich für Geld anderen Männern sexuell zur Verfügung zu stellen, habe den Beschuldigten zur Verzweiflung getrieben. Laut Verteidiger habe der Vater die offene Beziehung aber vordergründig toleriert und unterstützt. 

Verteidiger: Tat im Affekt

Eskaliert sei die Situation, so schreibt der «Bote der Urschweiz» weiter, als das Opfer den Beschuldigten als Zuhälter bezeichnete. Es habe nicht mehr rational überlegen und sein Handeln kontrollieren können.

Weil sein Mandant im Affekt gehandelt habe, sei er wegen versuchten Totschlags und wegen Inzests zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren zu verurteilen. 

Im Schlusswort äusserte der Beschuldigte Reue: «Ich bereue jeden Tag, was passiert ist. Ich war damals sehr verzweifelt und wusste nicht, was ich tat.» Er entschuldigte sich bei dem Opfer und bat das Gericht um ein gerechtes Urteil. Dieses wird das Strafgericht in den nächsten Tagen schriftlich eröffnen. 

Redaktion March24 & Höfe24