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Geld & Energie
09.01.2022
09.01.2022 14:22 Uhr

Aktienbörsen: Teuerungs- und Zinsängste belasten

Nach einem Start mit Gewinnen beobachtete Christopher Chandiramani im weiteren Wochenverlauf Korrekturen an den Märkten.
Nach einem Start mit Gewinnen beobachtete Christopher Chandiramani im weiteren Wochenverlauf Korrekturen an den Märkten. Bild: Linth24
Nach einem sehr guten Jahr – die Schweizer Börse legte um rund einen Fünftel zu – startete das neue mit Gewinnen. Omikron und Zinssorgen gingen zunächst vergessen, die US-Geldpolitik bereitete Kopfzerbrechen.

Das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank FED, das soeben veröffentlicht worden ist, gab zu Diskussionen Anlass. Die Geldpolitik soll teuerungsbedingt früher als erwartet gestrafft werden, was zu Korrekturen an den Aktienbörsen führte. Die Stimmung gedämpft haben ebenfalls die stark steigenden Corona-Fallzahlen, in der Schweiz Rekordwerte von über 30'000 pro Tag. Unerfreulich sind auch russische Truppenaufmärsche in Kasachstan und der Ukraine.

Einige Starperformer des letzten Jahres waren stärker von der Korrektur betroffen (Technologie, Zykliker, Indexschwergewichte der Pharmabranche), während sich die Finanzwerte gut hielten. Währungen, Gold und Erdöl blieben relativ stabil, aber Kryptowährungen neigten verstärkt zur Schwäche.

Unternehmensnachrichten

Erste Abschlusszahlen von Gesellschaften – Umsätze und Aussichten – dürften erst ab etwa Mitte Januar vorliegen. Die Informationsflüsse zu Jahresbeginn waren eher dürftig.

Überrascht hat die Schweizerische Nationalbank (SNB), deren Aktien ebenfalls an der Schweizer Börse SIX kotiert sind. Erwartet wird ein Rekordgewinn von CHF 26 Mrd., vor allem aus dem Aktien- und Devisenbestand erwirtschaftet. Bund und Kantone sollen davon Ausschüttungen von rund 6 Mrd. erhalten.

Die Nachfrage nach Elektroautos steigt spürbar. Der erfolgreiche US-Elektroautobauer Tesla erzielte neue Bestwerte und hat im Jahr 2021 über 935'000 (2020 knapp unter 500'000) Elektroautos gebaut. Getrübt wird aber der Erfolg durch zahlreiche Rückrufe wegen technischen Mängeln.

Der Börsenwert des US-Computerherstellers Apple hat sich seit 2001 bis Ende 2021 von 26.05 Mrd. auf 2'225 Mrd. USD vervielfacht.

Facebook heisst jetzt Meta. Firmengründer Mark Zuckerberg will seinen Konzern umstrukturieren und seine Social-Media-Firma weiter ausbauen.

Die Zurich Versicherungs-Gruppe verkauft ihren Lebensversicherungsbestand in Italien an die portugiesische Versicherungsgesellschaft GamaLife. Die Transaktion wird Kapital in Höhe von etwa USD 1.2 Mrd. freisetzen.

Die Transport- und Logistikfirma Kühne+Nagel sieht grosses Potenzial in ganz Afrika und will hier weiter expandieren.

Die Schweizer Privatbank Julius Bär verkauft ihre Tochtergesellschaft Wergen & Partner an das Management. Der Verkaufspreis wurde nicht genannt.

Rieter: Grossaktionär Luc Tack baut seine Beteiligung aus. Er hält nun einen Anteil von 15 Prozent am Textilmaschinenkonzern, nachdem er zuvor 11.7 besass.

Aussichten

Die Teuerung ist nach wie vor aktuell. 6 Prozent in den USA ist die höchste Inflation seit 30 Jahren. Die EZB rechnet hingegen mit einem Rückgang vor allem wegen nachgebenden Energiepreisen. Die SNB wird kaum Änderungen bei der Geldpolitik vornehmen. Trotzdem sind die Sätze von Festhypotheken gestiegen. Bei den Lieferketten gibt es weiterhin Verzögerungen.

Die Omikron-Ausbreitung und Quarantäne haben in der Arbeitswelt zahlreiche Absenzen verursacht. Hotelschliessungen wurden bereits angekündigt, sowie Fahrplankürzungen im öffentlichen Verkehr.

Im Februar stimmen wir über die Reduktion der Stempelsteuer ab. Kapitalbeschaffung soll einfacher und günstiger werden. Das Umfeld spricht momentan für eher volatilere Aktienmärkte.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24