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Lachen
06.12.2021

Rettungsdienst Lachen fährt fast 10 Einsätze pro Tag

Wladimir Gervasoni in einem der zwei zur Verfügung stehenden Rettungsfahrzeuge beim Rettungsdienst Lachen.
Wladimir Gervasoni in einem der zwei zur Verfügung stehenden Rettungsfahrzeuge beim Rettungsdienst Lachen. Bild: Urs Attinger
Der Rettungsdienst Lachen fährt immer mehr Einsätze. Der Betriebliche Leiter Wladimir Gervasoni zu den konkreten Zahlen und den Gründen für den Anstieg.

In der öffentlichen Wahrnehmung hat sich der Eindruck gefestigt, dass es immer mehr Notfalleinsätze mit dem Rettungsdienst gibt. Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht das Martinshorn hört oder einen Rettungswagen mit Blaulicht sieht.Tatsächlich sind es in diesem Jahr, die Zahl von Ende November auf Ende Dezember hochgerechnet, rund 3600 Einsätze, die der Rettungsdienst Lachen zu leisten hat, wie dessen Leiter Wladimir Gervasoni mitteilt. Dies ergibt fast zehn Einsätze pro Tag, werktags und sonntags, jahrein, jahraus.

Nur rund ein Drittel der Einsätze betreffen Unfälle

Die Ursachen für eine angeforderte Rettung liegen zu 70 Prozent bei medizinischen Problemen wie zum Beispiel Herzinfarkten, Schlaganfällen, Bewusstlosigkeiten, Krampfanfällen oder sonstigen Erkrankungen. 30 Prozent der Einsätze betreffen Traumata, das heisst Unfälle in Sport, Verkehr oder der Arbeit. Das Spektrum ist auch hier gross, vom zu Hause Gestürzten bis hin zu Verletzten durch Arbeits- oder Verkehrsunfälle jeglicher Art. Bei jedem Einsatz wird der Zustand des Patienten beurteilt, das nächstgeeignete Zielspital ausgewählt und entschieden, ob die Fahrt dorthin dringlich ist oder ohne Blaulicht und Martinshorn angetreten werden kann.

Mehr Einsätze auch wegen Corona

Wie viel Patienten wegen Corona abgeholt oder verlegt werden mussten oder müssen, kann Gervasoni nicht genau beziffern, jedenfalls haben die Einsätze zugenommen. 2020 wirkten der Lockdown und die Parole «Bleiben Sie zu Hause» dem Anstieg von Rettungseinsätzeentgegen. «2021 ist voraussichtlich mit einem Anstieg von rund 300 Einsätzen gegenüber dem Vorjahr zu rechnen», sagt Gervasoni. Der Anstieg in den letzten zehn Jahren beträgt rund 65 Prozent (von rund 2200 auf 3600 Einsätze). Dies kann nicht nur auf die wachsende Bevölkerung zurückgeführt werden. «Weitere Gründe sind die zunehmende Bekanntheit des Notrufs 144, das Wissen darum, dass schnell professionelle Hilfe kommt und auch Corona-Erkrankungen haben Einsätze generiert», erläutert Gervasoni. Letzter Grund könne vor allem bei alleine lebenden Personen beobachtet werden, die keine andere Möglichkeit hätten, ins Spital zu fahren, und unter Umständen auch schneller besorgt seien.

Erhöhter Aufwand nach positivem Testergebnis

Die Ansteckungsgefahr sei für das Personal gross, deshalb mache man immer gleich im Auto einen Corona-Schnelltest mit den Patienten, um zu wissen, woran man sei. Auch die aufnehmende Notfallstation ist über diesen Hinweis dankbar, da bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes entsprechende Schutz- und Isolations-massnahmen getroffen werden können. Deutlich erkennbar ist der erhöhte Aufwand nach einem positiven Testergebnis – bis das Fahrzeug wieder einsatzbereit ist, müssen Innenraum und Ausrüstung umfangreich desinfiziert werden. Der Personalbestand beim Rettungsdienst Lachen beläuft sich auf 23,5 Vollzeitstellen, inklusive 2,5 Notarztstellen (das Notarztauto mit 5,5 Stellen wird mit Horgen geteilt).

«Next best»

Seit einiger Zeit gelte im Kanton Zürich per Gesetz die Strategie «next best». March und Höfe, für deren Gebiet der Rettungsdienst Lachen eigentlich zuständig ist, macht auch mit. «Next best» bedeutet, dass bei vermuteter Lebensbedrohung das nächste geeignete Rettungsmittel alarmiert wird. Dabei spielt die Gebietszugehörigkeit keine Rolle. So kann es sein, dass ein Lachner Rettungswagen auf der Rückfahrt vom Universitätsspital Zürich ausserhalb des Zuständigkeitsbereichs alarmiert wird, sofern dieser schneller am Ort ist. Die Partnerorganisationen revanchieren sich in gleicher Weise.

Urs Attinger, Redaktion March 24 und Höfe 24